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Zu sehen ist eine Eiche. Sie spielt in der Erinnerung an die Kosaken hier in Zaporizhzhja eine wichtige Rolle. Das LVR-Team wartet im Hotelgarten und genießt die Sonne. Auf der Fahrt zu Ljubov sieht man auf der anderen Seite des Dnepr Neubausiedlungen mit riesigen Hochhäusern. Mit 15 bis 20 Etagen überragen die Hoch-häuser überragen die Bäume um einiges. Das LVR-Team mit Ljubov und Michail am Kaffeetisch. Im Hintergrund einige der Puppen, mit denen Ljubov Theater spielte, professionell. Der Blick aus dem Fenster geht auf luftig gesetzte Hochhausblöcke, durchsetzt von Grün.

Zaporizhzhja

20.04.07 –  Zaporizhzhja, Ljubov Z.

Die Verspätungen in Guty machen es nötig, die weitere Planung umzustellen. Es geht auf den Abend zu. In diesem Ort ein Hotel zu suchen, wird uns abgeraten. Traut Sascha sich zu, noch über 300 km bis Zaporizhzhja zu fahren? Als er entschließt: »Wir fahren!« sorgen wir rasch für Proviant und sehen zu, dass wir fortkommen. Zwischen unseren Ukrainerinnen entspinnt sich eine Diskussion über die Zukunft der Bildung in der Ukraine: Wie multikulturell muss sie sein? Es wird so heftig, dass Sascha um Ruhe bitten muss, um sich konzentrieren zu können. Auf der Fahrbahn ohne Grenzmarkierungen, bei dichtem Verkehr, erleben wir haarsträubende Überholmanöver. Alle starren gebannt in die entgegensausenden Scheinwerfer. Einmal schreit Nicole vorne entsetzt auf. Fast wäre es ein Frontalzusammenstoß geworden. Nur dank der Umsicht von Sascha kommen wir weit nach Mitternacht in Zaporizhzhja an und finden ein beleuchtetes Hotel. Die Deutschen dürfen nicht mit an die Rezeption, damit die Preise ukrainisch ausgehandelt werden können. Überglücklich verschwinden wir sehr schnell in den Betten.

Gedicht
Im Nebel sieht man nichts, nur die grüne Eiche,
unter der Eiche stand ein Brunnen,
da wollte ein Mädchen Wasser holen,
dort ließ es den goldnen Eimer fallen,
das Herz tat ihm weh.
»Wer meinen Zuber rauszieht,
der könnte mit mir auf dem Hochzeitstuch stehen«,
ein junger Kosak meldete sich:
»Ich ziehe dein Züberchen dir hoch, und mit dir
werde ich dann auf dem Hochzeitstuch stehen«
(ukr.Volkslied)

In wilder Jagd fährt uns ein Taxi über den Dnepr und seine Inseln, auf denen die ersten ukrainischen Kosaken ihren Traum von Freiheit und Unabhängigkeit lebten. Wir ahnen riesige Industriekomplexe und den Staudamm, der den Dnepr hier in einen großen See für die Wasserversorgung der Großstadtbevölkerung verwandelte. Zufällig – oder ausgerechnet – an der Stelle, wo einst zwischen den Stromschnellen die erste Kosakenfestung, das Saporischska Sitsch, stand. Sublime Versuche Stalins, 1927 das ukrainische Selbstbewusstsein zu beschädigen? Hier soll das größte Kraftwerk Europas stehen. Dann von den Brücken über den Dnepr zu erkennen die Insel Chortytsa mit dem Museum zur Geschichte der Kosaken, das im Laufe verschiedener Regierungssysteme mehrmals Korrekturen der Darstellung durchlief. Ein aktuelles ukrainisches Thema. Die Ukraine steht am Anfang eines Aufbruchs in eine selbstbestimmte Zukunft, so hoffen es die Ukrainer – und ist belastet mit schweren Hypotheken.