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Eine mythische Steinskulpturen mit einem geheimnisvollen Gesicht steht am Weges-rand.Kataryna ist auf uralte Steine geklettert und breitet die Arme weit aus: Geschafft. Auf dem Foto ein Blick auf die krim bei Yalta: Hingwürfelte helle Häuser zwischen Bäumen, hügeliges Land und davor ein blaues Meer.

Simferopol

20.04.07 –  Simferopol/Krim

Nach diesem letzten Interview möchten wir uns nicht mehr lange in Melitopol aufhalten. Ein Hotel kommt hier nicht in Betracht, dafür lockt uns die »nahe« Krim. Jelisaveta läuft uns voran flink wie ein Wiesel die vier Treppen hinab zum Auto und verabschiedet uns herzlich. – Wir können es kaum fassen: 7 Tage, an die 2000 Kilometer, über 1000 Fotos, um die 20 Stunden Interviewaufzeichnungen, alles »im Kasten« und doppelt gesichert, nichts verloren. Damit haben wir das Material für die geplante Ausstellung zusammengetragen. Nun stehen noch die Transkription der Texte und vor allem die Übersetzung bevor. Aber verglichen mit dem, was wir jetzt gerade hinter uns haben, kommt uns das schon fast wie »nichts« vor. – Riesengroß ist die Erleichterung. Die Weiterfahrt auf die Krim ist beschlossene Sache. Endlich ankommen! Sascha ist derselben Meinung und bereit, noch eine Nachtfahrt auf sich zu nehmen. Auf dem Weg nach Melitopol kamen wir an Kamjana Mogila vorbei, dessen Besichtigung nach Meinung unserer Ukrainer einfach sein musste. Ein magischer Klang: Krim. Wir haben es eilig, dorthin zu kommen. Am Schlagbaum, den man heute wie einst zu dieser Halbinsel passieren muss, wird spürbar, dass man anderes Territorium betritt. Die erste große Raststätte, alten Krimfahrern wie Sascha und Irina bekannt, führt, um nicht zu sagen entführt uns plötzlich in den Orient: Ein schnauzbärtiger Usbeke steht hinter dem Grill und dreht Schaschlikspieße – wir betreten eine neue Welt. Die Nachtfahrt endet schließlich nach Mitternacht an einem großen Hotel. Wir finden Zimmer und bleiben. Der Blick bei Tageslicht am nächsten Morgen auf das Schwarze Meer ist überwältigend. Bevor Nicole und Katya zurück nach Kiew fliegen und Sascha den Wagen zurückbringt, wollen wir alle zusammen auf Puschkins Spuren auf der Krim wandeln. Auch das ist eine neue Erfahrung hier: Die Ukraine und Russland – so viel historische Nähe, so viel gefühlte Entfernung. Wo liegt das Maß, mit dem hier alle so friedlich leben können, wie die Natur, das Wasser, der Himmel und die seidige Luft es nahe legen?

Gedicht
»Ihr seid so schön, Ufer der Tauris, wenn man euch vom Schiff aus sieht, beim Licht der morgendlichen Kypris so wie ich euch zum ersten Mal erblickt habe…«

Alexander Puschkin, Eugen Onegin