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Ein tief gefurchter Sandweg führt auf eine Kirche mit mächtigen Türmen zu, hinter farbenfrohen Zäunen verstecken sich nied-rige Häuser in starken Farben. An der städtisch wirkenden Straße fällt die repräsentative Feuerwache ins Auge. Ein rot und weiß gestrichenes Feuerwehrauto verdeutlicht den Zweck des Gebäudes.   Hübsch anzusehen sind abgezählte rote Peperoni neben safrangelben Küchlein und weißen Kürbiskernhäufchen. Überdachte Marktstände: Die Waren wer-den gerade ausgepackt, erste Kunden ha-ben sich schon eingefunden. Präsentiert wird die kleine Alina von den stolzen Eltern. Zu sehen ist ein gemütlich wirkendes Haus mit Wellblechdach, Veranda und blauen Fensterrahmen. Die Zweige im Vordergrund sind noch in der Knospe. Der Garten geht ohne Übergang in freies Feld über, Geländer, Abtrennungen und kleine Schuppen deuten auf eine intensive Nutzung. Magdalinas Tochter erzählt anhand von Fotos, während die Mutter versonnen zuhört.

Lebedyn

18.04.07 –  Lebedyn, Magdalina H.

Das zweite Ziel dieses Tages, Lebedyn, erreichen wir endlich dank der umständlichen Ausführungen eines Individuums am Straßenrand, denen wir widerstrebend gefolgt sind. Wir hatten uns verfahren, weil wir ein Schild übersehen hatten – das allerdings nur von der Gegenrichtung aus lesbar war. Das Haus, in dem man uns erwartet, soll neben der Feuerwehrstation liegen. Irina kurbelt das Fenster herunter und fragt nach der Feuerwehr. Erschreckt springen die Befragten auf: »Feuer – wo?« Jetzt erst sehen wir, dass sie sich um ein abendliches Feuerchen versammelt haben. Wir brechen in ein Gelächter aus, das nicht mehr endet, bis wir die Feuerwehr erblicken. Alinas Tochter Svitlana, die ihre Mutter vor einem Jahr nach Deutschland begleitete, kommt uns entgegen. Empfang bei alten Freunden.– Statt der Babuschka Alina treffen wir die kleine Alina, die gerade geborene Enkeltochter. Das junge Elternpaar hat keine Angst vor der Zukunft. Die Familiengeschichte ist für sie Vergangenheit, weit weg und nicht bedrohlich. Wir müssen noch am Abend unserer Ankunft das nächste Gespräch führen, denn Magdalina H. will mit ihrer Tochter so schnell wie möglich zurück nach Konotop, wo die Mutter zurückbleiben musste. Der Zustand von Babuschka Alina, hören wir, ist nach ihrem Schlaganfall schlechter geworden. Jedenfalls war sie nicht reisefähig, ein Wiedersehen mit ihr für uns nicht möglich. Nun sprechen wir also ein Jahr nach der Begegnung mit der Mutter in Köln mit ihrer Tochter, die 1943 in Wuppertal geboren wurde. Auch sie ist in keinem guten gesundheitlichen Zustand. Lange war es ein Geheimnis in der Familie, dass die ältere Schwester ein Kind aus Deutschland ist. Als sie uns in Lebedyn trifft, fragt Magdalina H. sich – und uns – was wohl geworden wäre, wenn sie nach dem Ende des Krieges als Adoptivkind in Deutschland geblieben wäre. Ein Jahr später bei einem Besuch in Deutschland wirkt sie ausgesöhnt mit ihrer Geschichte. Sie kann akzeptieren, dass die Ukraine ihre Heimat und die ihrer Kinder ist.