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Das LVR-Team steht auf einer Wiese, blcikt sich suchend um und studiert die Karte.Zu sehen ist ein verwildert wirkendes Ge-lände mit zwei ruinösen Hallen im Groß-format, Betonfertigteile säumen den Weg.Das verbogene Ortsschild steht an einer wenig versprechenden Straßenbiegung.Die Häuser wirken wie ausgestorben, drei Frauen in Kopftüchern wenden sich er-staunt der Kamera zu, dagegen läßt sich  der Hund auf der Straße nicht aus der Ruhe bringen. Die Fotografin hat wieder eine Katze entdeckt, die die Kamerabewegung gegenüber mißtrauisch verfolgt. Mit den Gläsern vor der Fensterscheibe dazwischen ist das Ganze dann doch ein „stilles Leben“. Hanna im geblümten Kleid und einer be-merkenswert großen blaugeränderten Brille erzählt anhand von Fotos, Irina vom LVR –Team und die Hausärztin hören gespannt zu.Hanna holt aus einer Blechdose alte Fotos, zu denen sie berichtet.Hanna blickt in die Kamera und lacht – man hört es. Auf diesem Foto sitzt Hanna sehr ernst und nachdenklich auf ihrem Holzstuhl vor dem Tisch .

Guty

19.04.07 –  Guty, Hanna D.

Auch Guty zu finden ist so eine Sache. Wir müssen in Richtung Charkiv, ziemlich äußerst östlich. Irgendwie verfahren wir uns an einer Gabelung und erwischen die falsche Straße. Der Weg wird immer sandiger, die ausgewaschenen Bodenlöcher immer größer. Mit dem vollbepackten Auto durch diese Furchen? Sascha schüttelt besorgt den Kopf. Die Achsen des Autos müssen geschont werden, die Passagiere müssen aussteigen und zu Fuß weiter. Wir entscheiden uns, nicht noch einmal zurück sondern lieber nach vorn. Nach ein paar Kilometern liegt rechts plötzlich ein Geisterbahnhof, aus dem erstaunlicherweise ein paar Menschen kommen. Die Gegend wirkt wie ausgestorben. Aber hinter einem Zaun kommt eine Frau hervor. Wo Guty ist? Sie erklärt uns den Weg und wo wir uns geirrt haben. Nach kurzer Beratung sind sich Irina und Sascha einig und nach einigen hundert Metern sind wir tatsächlich wieder auf einer befahrbaren Straße. Guty endlich zu erreichen, erfüllt uns mit großer Freude. Als wir nach Hanna D. fragen, bestaunt man uns zunächst ausgiebig. Trotz des ukrainischen Nummernschildes sind wir eine ungewöhnliche Erscheinung. Ein Mann am Steuer, vier Frauen in einem vollgestopften Auto: Was haben die hier wohl vor? In der Leninstraße, die immer noch so heißt, finden wir das Haus unserer Zeitzeugin Hanna D.. Im Hof regt sich ein Hündchen furchtbar auf. Das Haus steht nicht weit von der Zuckerfabrik, in der Hannas Mann früher Direktor war. Die Zuckerfabrik sieht ebenfalls aus wie ausgestorben, aber es wird dort noch produziert, sagt Hanna. Die Ärztin, die für alle Fälle vorbeigekommen ist, gibt Hanna ein beruhigendes Mittel. Wir wagen kaum, unsere Technik aufzubauen. Vielleicht wird das die schon vorhandene Beunruhigung verstärken und unnötig einschüchtern? Aber nachdem sie erst einmal angefangen hat zu erzählen, kommt Hanna D. wieder ins Gleichgewicht. Sie könnte stundenlang weiter erzählen, sagt sie.