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Plakat aus dem Bundesarchiv/ Bildarchiv: Über einer großen Lokomotive steht der Schriftzug „Arbeit in Deutschland“. Foto aus dem Bundesarchiv: Am Bahnhof Kowel stehen Viehwaggons bereit, davor eine Kolonne von Zwangsarbeitern unter bewaffneter Aufsicht.

Entschädigungs-Debatte

Erst 60 Jahre nach Kriegsende rief die Entschädigungs-Debatte die lange Zeit vergessenen Opfer der Zwangsarbeit wieder ins Gedächtnis

Ende der 1990er Jahre konnten juristischer und politischer Druck in den USA, von dort kommende Sammelklagen und Boykottdrohungen die Blockade aufbrechen, die Frage nach einer Entschädigung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter begann die nationale und internationale Öffentlichkeit zu beschäftigen. In der BRD wurde eine "Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft“ gegründet, in der vor allem die exportorientierten Großunternehmen eine Beteiligung an einer humanitären Geste anboten – ohne ein Schuldeingeständnis und mit der Garantie, vor weiteren Nachforderungen sicher zu sein.

1998 einigten sich die Fraktionen des Bundestags darauf, eine Stiftung zur Entschädigung von Zwangsarbeit unter finanzieller Beteiligung der deutschen Wirtschaft einrichten zu wollen. Nach langwierigen internationalen Verhandlungen wurde am 12. August 2000 durch ein Bundesgesetz die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) gegründet. Deutsche Unternehmen beteiligten sich mit rund fünf Milliarden DM an dem 10-Mrd.-DM-Fonds zur Entschädigung der ehemaligen ZwangsarbeiterInnen und anderer NS-Opfer sowie zur Einrichtung eines speziellen Fonds "Erinnerung und Zukunft“.

Mit der nun einsetzenden Welle von Recherchen in praktisch allen Archiven der BRD, um Millionen von Entschädigungsgesuchen ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern zu verifizieren, gewann das Thema eine enorme Publizität und gehört heute zu den am besten erforschten Kapiteln der Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland. Am 30. Mai 2001 konnten die Auszahlungen beginnen.

Aus dem Gesamtfonds von rund 4,6 Mrd. Euro zahlte die Stiftung EVZ Entschädigungen insbesondere an ehemalige KZ-Häftlinge und an deportierte mittel- und osteuropäische Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter. Über 1,6 Millionen Überlebende erhielten einmalige Zahlungen, die je nach Herkunftsland und Schwere der Lagerbedingungen differierten.

Die Betroffenen erhielten je nach Verfolgungsschicksal eine einmalige Zahlung zwischen 500 und 7 700 Euro. Kriegsgefangene waren grundsätzlich nicht leistungsberechtigt. Die Auszahlung wurde im Jahr 2007 beendet.

Aus der Website http://www.zwangsarbeit-archiv.de/zwangsarbeit/zwangsarbeit/index.html