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Eine Recherche und deren Ergebnisse

Als der Landschaftsverband Rheinland im Jahr 2005 seinem Archiv den Auftrag erteilt, ein Besuchsprogramm zu organisieren für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die in der Rheinprovinz zum Einsatz gekommen waren, führt die Anfrage nach den von uns ermittelten Namen bei den Nationalen Stiftungen zu 14 Namen aus der Ukraine und ebenso vielen aus dem heutigen Russland und Weissrussland, die aber nicht antworten.

Aus der Ukraine erhalten wir 8 Rückmeldungen. 
So schreibt uns die 84jährige Anna R., dass sie gern kommen würde, dazu gesundheitlich aber nicht mehr in der Lage sei und deshalb darum bitten möchte, ihre Tochter an ihrer Stelle reisen zu lassen. „Es wäre aber doch interessant nach Deutschland zu kommen, um sich mit deutschen Regierungsvertretern und  Angehörigen der deutschen Jugend zu treffen.  … meine Tochter … ist am 23. August 1943 in Deutschland geboren. Sie ist 62 Jahre alt und kriegsbeschädigt. Deswegen die Bitte, dass mein Kind noch einmal das Land sieht, wo sie geboren wurde. Dann kann sie mir von ihrer Reise nach Deutschland berichten.“ Tochter Ljubov kommt, fast blind, aber neugierig und offen für alle neuen Eindrücke. Zurückgekehrt, erzählt sie ihrer Mutter von Deutschland heute und von der Begegnung mit der besten Freundin der Mutter aus den Wuppertaler Jahren. Noch bevor wir ein Jahr später in die Ukraine kommen, ist Anna R. gestorben.

Lydia T. kündigt an, sie möchte kommen, um den Ort wiederzusehen, wo ihr Kind begraben liegt. Lydia, das stellt sich während des Besuches in Deutschland heraus, war die beste Freundin von Ljubovs Mutter Anna R. Beide verband die extreme Anforderung, unter den Bedingungen der Zwangsarbeit ein Baby durchzubringen. Ljubov überlebte, Victor nicht. Die beiden Frauen verloren sich nach dem Krieg aus den Augen, weil sie sich nicht zu schreiben wagten, ihre Leidensjahre wurden jahrzehntelang vor ihren späteren Familien geheim gehalten.

Die dritte, die sich auf den beschwerlichen Weg in die Vergangenheit macht, ist Alina M., zur Zeit der Deportation ein 14jähriges Mädchen, das mit seinem unerträglichen Weinen beim Verladen der Mutter am Zug den Wachleuten auf die Nerven geht und schließlich die Mutter begleiten „darf“. Mit 15 bringt sie in der Wuppertaler Klinik ein Mädchen zur Welt, das sofort zur Adoption in eine deutsche Familie gegeben, am Ende des Krieges aber von der Großmutter zurückgeholt und in die Heimat mitgenommen wird. – Wir treffen diese Tochter Magdalina auf unserer Reise in die Ukraine und interviewen sie. Im Gespräch mit uns macht sie sich Gedanken, wo eigentlich ihre Heimat sei. Erst durch unsere Recherchen und Kontaktaufnahme kommt eine Familiendiskussion in Gang, bei der Magdalina erfährt, wo sie geboren ist.