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Porträt der Landesrätin Kultur, Milena Karabaic.

Ausblick auf ein ungewöhnliches Projekt

Mit der website „Riss durchs Leben“ findet ein Projekt des LVR seinen Abschluss, das im Jahr 2005/2006 mit einem „Besuchsprogramm für Zwangsarbeiter“ begann und zu einer Reihe von Folgeprojekten führte. Die mit EU-Mitteln geförderte Wanderausstellung erreichte tausende Menschen in Deutschland und der Ukraine und steht neben der interaktiven website weiter zur Ausleihe zur Verfügung.

Der von der politischen Vertretung des LVR initiierte Auftrag, Zwangsarbeit in Einrichtungen des Provinzialverbandes Rheinland, dem Rechtsvorgänger des Landschaftsverbandes Rheinland, zu erforschen, mündete in dem Projekt „Riss durchs Leben“: Einer Einladung des LVR an ehemalige Zwangsarbeiter zu einem Besuch an den Rhein folgten ausschließlich Frauen und sie alle kamen aus der Ukraine. Daraus resultierten nicht nur tief bewegende Begegnungen mit zehn ukrainischen Zeitzeuginnen, die in einer Ausstellung dokumentiert wurden, sondern vor allem persönliche, bis heute anhaltende Verbindungen. Das Bemühen zu helfen brachte für die meisten Frauen kurze Momente der Freude in ihr immer noch schweres Leben und führte in einem Fall zu einer konkreten medizinischen Unterstützung.

Der LVR als Institution arbeitete zeitweise eng zusammen mit ukrainischen Partnern, so mit der Ukrainischen Stiftung für Nationale Versöhnung und insbesondere mit der Stiftung Ukraine 3000. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle noch einmal für ihre Kooperationsbereitschaft gedankt. Ohne sie wäre es kaum denkbar gewesen, die LVR-Ausstellung „Riss durchs Leben“ in ihrer ukrainischen Version durch insgesamt 13 Städte in 4 Regionen der Ukraine zu schicken und dort Tausende von Menschen näher mit der Thematik der Zwangsarbeit vertraut zu machen. Eine Thematik, die bis vor kurzem, wenn überhaupt, nur im engsten Familienkreis angesprochen wurde. Millionen von Ukrainerinnen und Ukrainern waren in den Kriegsjahren nach Deutschland verschleppt worden – und Millionen von ukrainischen Enkelkindern wissen bis heute wenig über die Leiden und Lebenserfahrungen ihrer Großeltern, die in den persönlichen und unverstellten Berichten der Zeitzeuginnen so überzeugend öffentlich gemacht werden konnten. 

Die Ausstellung stieß in der Ukraine wie in Deutschland auf große Resonanz. Wir hoffen, dass der LVR auf die Weise dazu beitragen konnte, dem Thema Zwangsarbeit – und in größerem Rahmen der Diskussion um Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde – in beiden Ländern neue Facetten hinzuzufügen. Viele Menschen in Deutschland und in der Ukraine reagierten mit Zuschriften mit eigenen Erinnerungen oder machten sich auf die Suche nach verloren gegangenen Menschen aus Kindheits- und Jugendtagen. Ganz besonders erfreulich ist, dass die Ausstellung zunehmend in Schulen gezeigt wird und dass sogar eine Schulpartnerschaft zwischen einer Wuppertaler Schule und einer Schule aus dem ukrainischen Chmelnyzkyj nach einem workshop in der Ukraine und der Begegnung mit einer der Zeitzeuginnen aus der Ausstellung im Entstehen begriffen ist.

Mit der Übertragung des Materials aus diesem Projekt auf eine website soll die Möglichkeit eröffnet werden, das Thema in erweitertem Kreis zu verankern, zu diskutieren und Fragen, eigene Beiträge und Meinungen hinzuzufügen. Wie die Reaktionen von Schülern zeigen, ist das Fragen noch nicht beendet. Wir hoffen, dass wir einige Antworten geben und gleichzeitig dazu anregen können, neugierig und aufmerksam zu bleiben und weitere Türen zu öffnen.

Milena Karabaic
LVR-Dezernentin für Kultur und Umwelt